Murauer Schützenverein
Bereits im Mittelalter hat es Schützengesellschaften und Schützenfeste gegeben wie auch Schießstätten. Bezogen auf Murau ist dokumentiert, dass es am 22. Juli 1652 ein Festschießen der Murauer Bürger zu Ehren der Herrschaft Murau und des Olmützer Domherren Bernhard Bredimus gegeben hat.
Aus dem Jahr 1785 gibt es ein Dokument, aus dem hervorgeht, dass es eine Schützengesellschaft in Murau gegeben hat. Es handelt sich dabei um eine Schützenordnung für die privilegierte bürgerliche Schießstätte. Diese Schützenordnung wurde schließlich mit 14. Dezember 1866 Vereinsstatut für den Murauer Schützenverein und erfuhr nachweislich mit 3. März 1909 eine neuerliche Genehmigung in geänderter Fassung.
Wie ein Ölbild des bekannten Malers Ignaz Raffalt aus dem Jahr 1848 zeigt, befand sich die Schießstätte damals auf dem heutigen Areal der Brauerei Murau bzw. Hotel Brauhaus nahe dem Raffaltplatz. Geschossen wurde offensichtlich über die Mur auf die Wiese am gegenüberliegenden Ufer. Die steile Böschung weiter dahinter bot den idealen Kugelfang.
Während der Wintermonate, jedem Dienstag und Samstag gab es in „Fischer’s Brauhausrestauration“ die vom „Kapsel-Schützen-Club“ gestalteten Kapselschießen.
1897 schließlich errichtete der Murauer Schützenverein, Schützenmeister Bezirkshauptmann Eugen Edler von Schickh beim „Buglwirt“, nachmals Wirtshaus „Buckelhube“, eine neue Schießstätte. Der Verein zählte damals 84 Mitglieder, die ihrerseits diesen Neubau materiell als auch finanziell unterstützten. Die neue Schießstätte, eingeschlossen Einrichtung, kostete 2.166,– Gulden. Anlässlich der feierlichen Eröffnung dieser neuen Schießstätte mit einem großen Freischießen an 6 Tagen vom 18. Juli bis zum 1. August 1897 nahmen 68 Scheibenschützen aus den Bezirken Murau, Tamsweg, Judenburg, Knittelfeld, Mürzzuschlag, aus dem Lungau, aus dem Metnitztal, aber auch Graz und Ferlach teil und beschossen dabei aus 14 Ständen 4 Standscheiben und eine Laufscheibe auf 150 Schritte sowie weitere 2 Scheiben auf 250 und 400 Schritte Entfernung.
In den folgenden Jahren, die sich auch durch ein sehr reges Vereinsleben ausgezeichnet haben, gab es hier besondere Schießveranstaltungen, wie unter anderem im Mai 1898 anlässlich des 50-jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Josef das „Kaiser-Jubiläums-Festschießen“. 1938 wurde der Verein aufgelöst und in den damaligen Reichsverband eingegliedert.
Nach dem Krieg hat man – der Schützenverein als solcher bestand nicht (mehr) – die neue Landesstraße von Murau nach St. Lambrecht mitten durch die bis zum Beginn des Krieges betriebene Anlage des Schützenvereines gebaut. Dessen ungeachtet wurde unter Führung und auf Initiative des ersten Oberschützenmeisters nach dem Krieg, Ing. Karl Brich, am 15. Juni 1963 der Verein wiedergegründet. Dazu hat man das heute bekannte Gelände von der Diözese Graz-Seckau angepachtet und mit der Errichtung des Schützenhauses samt Anlage selbst begonnen. Verdient gemacht haben sich dabei besonders Ing. Karl Brich, Hans Köstner, DI Friedrich Zecher, Luziano Riva und Dr. Karl Figl. Unabhängig der großzügigen Unterstützung damals durch Karl Johannes Erbprinz zu Schwarzenberg machten die vielen freiwilligen Arbeitseinsätze und Spenden der Murauer Schützenfreunde die offizielle Eröffnung der neuen Schießstätte im August 1668 auf der Buckelhube mit einem Kleinkaliberschießen und einem internationalen Tontaubenschießen möglich. Die neue Anlage umfasste 4 Stände auf 100m, 6 Stände auf 50m, 50m für die „Laufende Scheibe“ und einen Wurfscheibenstand. Unabhängig davon, dass diese Anlage vor allem der hiesigen Jägerschaft und den Sportschützen das sportliche und jagdliche Schießen, wie auch die praktische Ausbildung im Rahmen der Jungjägerkurse ermöglicht, wurden auf dieser Schießanlage bedeutende Veranstaltungen durchgeführt, wie u.a. das Steirische Landesschießen, Jagdcup, Ländervergleichskämpfe, Landes- und Staatsmeisterschaften 10m und 50m Laufende Scheibe.
Zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Murauer Vereinen als auch den Betrieben wird seit 1976 alljährlich das Murauer Vereins- und Betriebsschießen, unterstützt von der Stadtgemeinde Murau, durchgeführt.
Während der letzten 3 Jahre hat der Verein der notwendigen Modernisierung und vor allem Vermeidung von Lärmbeeinträchtigung Rechnung tragend die Anlage auf einen topaktuell modernen Stand gebracht. Dabei wurden u.a. zwei 100m Stände eingehaust und auf elektronische Scheiben und Anzeige umgerüstet. Dies alles mit einem großartigen Umfang an Eigenleistung des Vereines und der finanziellen Unterstützung seitens des Landes Steiermark mit den Landeshauptleuten Voves und Schützenhöfer, der Stadtgemeinde Murau mit Bürgermeister Thomas Kalcher, Gemeinde Lassnitz mit Bürgermeister Franz Gassner, Gemeinde Triebendorf mit Bürgermeister Richard Engel, dem Steiermärkischen Jagdschutzverein, insbesondere der Zweigstelle Murau, dem Landesschützenbund, der Sportunion Steiermark, Landesrat Seitinger, Thadäus Egghardt, Mag. Christian Haselmaier, Richard Engel, Gruber Johann und IBS.
Der Murauer Schützenverein verfügt auch über einen Zimmergewehrstand am Marhof in Murau. Hier finden sich 6 Zimmergewehrstände mit einer elektronischen Anlage, elektrischen Zuganlagen und zwei „Laufenden Scheiben“.
Der Murauer Schützenverein ist seit Ende der 70er Jahre die Heimat erfolgreicher Sportschützen, speziell im Bewerb „Laufende Scheibe“. Die Brüder Walter und Bartl Zitz, Albin Hopfgartner, Hans Reißner, Gerhard Köstner, Berthold Wallner, Peter Winkler, Michael Leitner, waren bei Staatsmeisterschaften sehr erfolgreich. Insbesondere ist darunter zu erwähnen Walter Zitz, der mit 20 Staatsmeister- und 4 Österreichischen Meistertiteln in der Einzelwertung und 20 Staatsmeister- und 6 Österreichischen Meistertiteln mit der Mannschaft erfolgreich und sich zweimal für die EM qualifiziert hat.
Die Oberschützenmeister seit der Wiedergründung 1963:
1963 – 1968 Ing. Karl Brich
1969 – 1984 Dr. Karlheinz Mitter
1985 – 1995 Bm. Walter Kern
1996 – 2012 Ing. Günther Köstner
2013 – 2017 Dr. Gerhard Roth
2017 – 2021 Richard Engel
Seit 2022 Ing. Frank RAINER


